„Der Erste knipst das Licht an…“

Der Erste knipst das Licht an…“

Über die Rolle des Hörspielskriptautoren und den Arbeitsstart für „Lula“

Von Markus Duschek

Bisher hat bei mir noch jede Hörspiel -Idee in Form eines Stimmungsfetzens in meiner Vorstellung angefangen und auch bei „Lula“ war es zunächst mehr das Gefühl, das ich einfangen wollte, bevor sich die ersten groben Ideen zu Plot und Personenkonstellation einstellten. 1537896_636730503077664_2681883482940804473_o

Dass Ralf und ich nach „Schneetreiben“ wieder zusammenarbeiten wollten stand schon eine Weile im Raum und schon nach unserem ersten „Brainstorming“ war klar, dass unser nächstes Projekt in vieler Hinsicht noch viel weiter gehen und mich für die nächsten Monate auf eine Reise zu wirklich dunkeln Plätzen in meiner Phantasie schicken würde.

Lula“- so lautet immer noch der Arbeitstitel- wird kaum gewalttätiger als „Schneetreiben“- eher im Gegenteil- aber dafür viel, viel finsterer, weil ich tief in das Seelenleben meiner beiden komplexen weiblichen Hauptfiguren vordringen muss, die sich in einer Extremsituation wiederfinden, die sie mit ihren größten Ängsten und ungeklärten, tief sitzenden Konflikten konfrontiert…

Ralf wollte „ klaustrophobischen Horror“, der aber nicht den handelsüblichen Mustern folgt und den vielbeschäftigten Geistern, Zombies und Werwölfen mal eine Auszeit gönnt während wir uns in der wirklichen Schreckenskammer umschauen und tiefer vordringen wollen: der menschlichen Psyche.

Als Skriptautor bin ich mal wieder der Erste, der sich in der Welt dieser Geschichte einnisten darf, den Figuren über die Schulter schaut, sich in sie hineindenkt bevor der Regisseur oder gar die Sprecher auch nur den Hauch einer Vorstellung von ihnen gewonnen haben.

Das ist das Privileg meiner Tätigkeit, aber auch eine Menge Verantwortung, denn schließlich muss ich mit meinen Worten möglichst akkurat die „Bilder“ und Atmosphäre einfangen, die mir für „Lula“ so vorschweben- und das ist bei einem psychologischen Thriller wie diesen noch wichtiger als bei der Beschreibung von reinen Action-Szenen, denn was ich die Figuren durchleben lasse, muss für den Hörer stimmig und nachvollziehbar werden, sonst lässt ihn das Geschehen kalt, egal wie laut es aus den Lautsprechern dröhnt und kracht.

Es wird nicht immer nett, aber ich freu‘ mich drauf, denn wenn ich beim Tippen mit den Figuren mitleide weiß ich wenigstens dass ich auf dem „richtigen Weg“ bin… und Hörspiele, bei denen mir Szenen und Figuren nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen, sind mir sowieso die Liebsten, mit Banalem wird man doch eh schon genug zugeschwallt.

So kann ich mir jetzt schon gespannt ausmalen, ob Regisseur und Schauspieler bei der Umsetzung dieselben Bilder im Kopf haben werden wie ich… oder was dann ihr Schlüssel in diese Welt ist, die ich schon mal vorskizziere bevor sie hörbar wird…

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